Mayet und Lichtenau: Vier Jahrzehnte gelebte Freundschaft
Vierzig Jahre Städtepartnerschaft zwischen Lichtenau und Mayet – das sind vier Jahrzehnte Begegnung, Vertrauen und gemeinsames Gestalten Europas im Kleinen. Als am 29. September 1985 die Urkunden in Lichtenau unterzeichnet wurden, begann eine Geschichte, die nicht in Rathäusern, sondern in Herzen geschrieben wurde. Seitdem haben Generationen von Bürgerinnen und Bürgern beider Städte diese Freundschaft mit Leben gefüllt: Musiker und Sportler, Schülerinnen und Schüler, Familien und Komiteemitglieder, Menschen, die neugierig geblieben sind und Europa Tag für Tag leben.
Dieser Bericht erzählt ihre Geschichte – von den Anfängen bis heute, von großen Jubiläen und kleinen Momenten, von gemeinsamen Liedern, Gesprächen und Lächeln, die Brücken schlagen, wo Grenzen einst trennten.
„Freundschaft lebt nicht vom Vertrag, sondern von den Menschen, die sie tragen.“
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 – Die Anfänge

Schon lange bevor die Partnerschaft im Jahr 1985 offiziell besiegelt wurde, gab es eine Vielzahl von vorbereitenden Kontakten und Begegnungen, die den Weg bereiteten.
Bereits im März 1983 richtete der Stadtrat von Mayet eine Kommission für die Jumelage (Städtepartnerschaft) ein. Den Vorsitz übernahm Jean-Noël Deldicque, der damit zu den ersten Architekten der Partnerschaft gehörte. Wenige Monate später, im Juni und Juli 1983, kam es durch Gereon Fritz aus Paderborn – vermittelt durch Chantal Hailault – zu den ersten Kontakten zwischen den beiden Städten.
Im August 1983 reiste Deldicque nach Lichtenau, wo er erste Gespräche führte und den Grundstein für die künftige Freundschaft legte. Wenige Monate darauf, am 3. Dezember 1983, besuchte Bürgermeister Franz Josef Sievers mit einer Delegation von 13 Personen die Stadt Mayet. Dieser Besuch war das erste offizielle Signal: Aus Sympathie sollte bald eine enge Städtefreundschaft werden.
Am 28. April 1984 folgte der Gegenbesuch: Bürgermeister Bernard Pavy kam mit 18 Bürgerinnen und Bürgern nach Lichtenau. Im selben Jahr fand auch schon der erste Schüleraustausch statt. Schülerinnen und Schüler aus Lichtenau reisten nach Mayet und wurden von Gastfamilien herzlich aufgenommen. Zeitgleich organisierte der VfL Lichtenau ein Zeltlager mit Jugendlichen aus Mayet. Diese frühen Begegnungen machten deutlich: Die Jumelage sollte vor allem von der Jugend getragen werden.
Am 18. Juni 1984 stimmte der Stadtrat von Mayet offiziell für die Partnerschaft mit Lichtenau. Damit war der politische Weg frei. Am 15. Februar 1985 wurde in Mayet das Partnerschaftskomitee gegründet, mit Pierre Polliset als Präsidenten und Jean-Noël Deldicque als Vizepräsidenten.
Bereits im März 1985 setzten erste Schülergruppen, Sportvereine – darunter die Vigilante Football und die Theatergruppe La Mirandole – sowie Musiker die Partnerschaft in die Tat um. Am 15. März 1985 reiste zudem eine Delegation aus Lichtenau nach Mayet, um die bevorstehenden Feierlichkeiten vorzubereiten.
Der entscheidende Tag kam am 29. September 1985, als in Lichtenau die Partnerschaftsurkunde von Bürgermeister Franz Josef Sievers und Bürgermeister Bernard Pavy unterzeichnet wurde. Mit einer großen Feier wurde der Beginn einer dauerhaften Freundschaft besiegelt. Am 20. April 1986 folgte die feierliche Gegenunterzeichnung in Mayet – ein Festakt, der mit viel Musik, festlichen Ansprachen und herzlicher Gastfreundschaft untermalt wurde.
Damit wird klar: Noch bevor die Tinte unter der Urkunde trocken war, hatten vor allem Jugendliche, Schüler, Sportler und dann etwas später auch die Musiker bereits echte Brücken zwischen den beiden Städten gebaut. Diese frühe Dynamik ist bis heute das Herzstück der Jumelage.
Die Bürgermeister – Architekten der Freundschaft
Bei der Unterzeichnung standen zwei Männer an der Spitze ihrer Städte, die mit Weitsicht und persönlicher Überzeugung den Grundstein für die Jumelage legten: Franz Josef Sievers und Bernard Pavy. Trotz unterschiedlicher politischer Überzeugungen entwickelte sich zwischen beiden rasch eine enge persönliche Freundschaft
Franz Josef Sievers, Bürgermeister von Lichtenau, war Mitglied der CDU und vertrat eine betont konservative, zugleich weltoffene Haltung. Er sah die Städtepartnerschaft als Möglichkeit, durch Begegnung Vorurteile zu überwinden und den europäischen Gedanken im Alltag zu leben.
Bernard Pavy, Bürgermeister von Mayet, gehörte der Sozialistischen Partei (PS) an. Auch er war überzeugt, dass die Zukunft Europas nur auf gegenseitigem Vertrauen und Zusammenarbeit beruhen könne.
Kapitel 2 – Die Komitees: Herz und Seele der Städtepartnerschaft

Die ersten Jahre der Partnerschaft waren geprägt von gegenseitigen Besuchen, organisatorischem Aufbau und dem Wunsch, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger einzubinden. Bald fanden regelmäßige Treffen der Komitees statt – abwechselnd in Lichtenau und Mayet. Diese Sitzungen wurden zu wichtigen Foren, in denen Programme abgestimmt, Schüler- und Vereinskontakte geplant und gemeinsame Ideen entwickelt wurden.
Lichtenau – Engagement und Kontinuität
In Lichtenau gehörten zur Gründungsgeneration engagierte Bürgerinnen und Bürger, die mit Enthusiasmus, Pragmatismus und persönlicher Wärme die Städtepartnerschaft mit Leben füllten. Zu den prägenden Persönlichkeiten der Anfangsjahre zählten Rudolf Steins, Hans-Dieter Hustedt, Cilly Keuter, Josef Hartmann, Ursula und Hans-Werner Benteler, Bernhard Fecke, Bernhard und Franz Jürgen Hagelüken, Eva-Maria Potthoff, Johannes Leifeld, Walter Hussock, Peter Bruckmann, Xaver Schulze, Antonius Kappmeyer und Heinrich Hillebrand. Sie öffneten ihre Häuser, begleiteten Gäste und planten die ersten Schüler- und Vereinsbegegnungen. In den 1990er Jahren traten Ferdi Thiele, Karl-Heinz Wange und Manfred Müller hinzu.
Nach dem Ausscheiden der Gründungsmitglieder um 2008 blieben vor allem Bernhard Fecke, Josef Hartmann und Andreas Rehermann aktiv, später verstärkt durch Reinhard Böhner von Rüden, Manfred Keuter, Martina Wolf-Sedlatschek, Jörg Böhner, Birgit Rebbe-Schulte, Uwe Kirschner und Wolfgang Scholle. Christel Bauer, die seit 1999 mitarbeitete, schied 2021 aus. Neu hinzugekommen sind Heidi Martin, Maximilian Richters und Marie Keuter, die heute das Komitee in die Zukunft führen.
Seit 2007 leitet Josef Hartmann das Komitee. Unter seiner ruhigen, verbindenden Art gewann die Arbeit neue Struktur und Beständigkeit. Er steht für eine Kontinuität, die von Offenheit, persönlicher Nähe und europäischem Geist geprägt ist.
Mayet – Erfahrung und Offenheit
In Mayet wurde das „Comité de Jumelage“ 1985 unter Pierre Polliset gegründet, unterstützt von Bürgermeister Bernard Pavy und einer Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger. Zu den ersten Mitgliedern zählten Jean-Noël Deldicque, Jean-Louis Bastide, Pierre Bourgoin, Chantal Hailault, Antoine Fournigault, Gérard Béchu, Raymond Fouqueray, Jacky Renard, Claude Méchin, Jean-Claude Gautelier und Yves Lehoux.
Nach Pierre Polliset übernahm Jean-Noël Deldicque die Leitung und führte die Beziehungen bis 2010 mit Ruhe und diplomatischem Geschick. Seit 2010 steht Bernard Eveilleau an der Spitze des Komitees. Er brachte neue Energie und Offenheit in die Arbeit, unterstützt von Delphine Bareau, Roselyne Ramaugé, Didier Legrand, Mme Fournier, Mme Mignot, Monique David (Sarcé) und Gérard Béchu.
Von den Gründern zur neuen Generation
Vier Namen stehen symbolisch für den Wandel: Josef von Rüden, Pierre Polliset, Josef Hartmann und Bernard Eveilleau. Sie verkörpern den behutsamen Übergang von den Aufbaujahren hin zur heutigen, beständigen Freundschaft zwischen beiden Städten.
Der Wechsel ab 2005 war kein Bruch, sondern ein natürlicher Generationsübergang – neue Gesichter, neue Energie, dieselbe Haltung: Begegnung, Vertrauen und gegenseitiger Respekt.
Bis zur Pandemie entwickelte sich die Partnerschaft kontinuierlich weiter. Getragen von den Komitees und Vereinen entstanden immer neue Impulse – bei den Europatagen ab 2009, Musikbegegnungen und den Jubiläen 2015 und 2016.
Wiedersehen nach der Pandemie
Auch die Coronazeit konnte der Freundschaft zwischen Lichtenau und Mayet keinen Abbruch tun. Sobald Begegnungen wieder möglich waren, lebte der Austausch mit neuer Energie auf. Schon 2022 reiste eine erste Schülergruppe nach Mayet, 2023 folgte der Gegenbesuch in Lichtenau. Auch die Fußballer des VfL Lichtenau nahmen die Tradition wieder auf und fuhren 2023 zu einem Turnier nach Mayet – mit dabei erstmals Bürgermeisterin Ute Dülfer, für die es der erste offizielle Besuch in der Partnerstadt war. Diese Treffen zeigten, dass die Partnerschaft auch Krisenzeiten übersteht. Gerade nach den Monaten der Distanz wurde spürbar, wie sehr persönliche Begegnungen, Freundschaft und Vertrauen das Fundament dieser Jumelage bilden.
Verlässliche Zusammenarbeit und neue Impulse
Mit den Jahren hat sich die Komiteearbeit professionalisiert, ohne ihren familiären Charakter zu verlieren. Jährliche Treffen, Abstimmungen und Freundschaftsbesuche bilden das Rückgrat der Partnerschaft. Jede Generation bringt neue Ideen ein – von Nachhaltigkeit über Jugendprojekte bis zu digitalen Austauschformaten. So bleibt die Arbeit zukunftsorientiert – getragen von Begeisterung und Gemeinschaftssinn.
Heute sind die Komitees in Lichtenau und Mayet das Herz der Freundschaft – offen, lebendig und getragen von Menschen, die Europa im Alltag leben.
„Das Komitee ist keine Verwaltung – es ist ein Stück gelebtes Europa.“
„Nos comités ne sont pas des institutions, mais des familles européennes.“ („Unsere Komitees sind keine Institutionen, sondern europäische Familien.“ – Bernard Eveilleau)
„Nos comités se renouvellent, mais l’esprit reste le même.“ („Unsere Komitees erneuern sich, aber der Geist bleibt derselbe.“)
„Les visages changent, mais l’amitié reste la même.” („Die Gesichter ändern sich, aber die Freundschaft bleibt dieselbe.“ – Josef Hartmann)
Kapitel 3 – Die Bürgermeister: Politische Partner und Wegbegleiter

Die Bürgermeister beider Städte waren stets mehr als Repräsentanten – sie waren Architekten einer Idee, die in den Herzen der Bürger lebendig blieb. Ihr Engagement verlieh der Partnerschaft Richtung, Glaubwürdigkeit und Beständigkeit.
In Lichtenau begann alles mit Franz Josef Sievers, der 1985 gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Bernard Pavy die Partnerschaftsurkunde unterzeichnete. Trotz unterschiedlicher politischer Überzeugungen – Sievers konservativ, Pavy sozialistisch – vereinte sie die Überzeugung, dass Verständigung und Nähe die Grundlage Europas bilden.
Überblick über die Lichtenauer Bürgermeister und ihre Verdienste für die Partnerschaft:
- Franz Josef Sievers (bis 1992) – Gründervater der Jumelage auf Lichtenauer Seite
- Manfred Müller (1992 – 2004) – brachte neuen Schwung und stärkte die Beziehungen auf Verwaltungsebene.
- Karl-Heinz Wange (2005 – 2009) – begleitete den Generationswechsel in Lichtenau.
- Dieter Merschjohann (2009 – 2014) – unterstützte die Arbeit des Komitees.
- Josef Hartmann (2014 – 2020) – Bürgermeister und Komiteevorsitzender zugleich, der die Brücke zwischen Politik und Bürgerschaft schlug. Er arbeitete mit Jean Paul Beaudoin und Pierre Ouvrad zusammen.
- Ute Dülfer (seit 2020) – die erste Bürgermeisterin Lichtenaus, führt die Partnerschaft in eine moderne, bürgernahe Zukunft.
In Mayet prägten vier Bürgermeister den Weg:
- Bernard Pavy (bis 1995) – Gründer und europäischer Visionär.
- Pierre David (1995 – 2007) – setzte die Freundschaft mit Pragmatismus und Offenheit fort.
- Jean-Paul Beaudoin (2007 – 2019) – vertiefte die Kontakte zu Schulen und Vereinen und prägte ein Jahrzehnt der Begegnungen.
- Pierre Ouvrard (seit 2019) – führt die Partnerschaft mit ruhiger Hand und europäischem Weitblick bis heute fort.
„Freundschaft entsteht nicht aus Übereinstimmung, sondern aus Respekt.“ (Bernard Pavy, 1986)
„Nos maires ont été les architectes de notre amitié.“ („Unsere Bürgermeister waren die Architekten unserer Freundschaft.“ – Bernard Eveilleau)
Kapitel 4 – Musik verbindet

Kaum ein Bereich hat die Freundschaft zwischen Lichtenau und Mayet so geprägt wie die Musik.
Schon im Jahr 1985, noch vor der offiziellen Unterzeichnung der Partnerschaft, reiste das Blasorchester Lichtenau auf Einladung der Musique Municipale Mayet nach Frankreich. Das gemeinsame Konzert in der vollbesetzten Festhalle wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle Beteiligten. Rund 900 Zuhörerinnen und Zuhörer feierten die Musiker mit großem Applaus. Die Begeisterung, die an diesem Abend spürbar war, gilt bis heute als Geburtsmoment der musikalischen Freundschaft zwischen den beiden Städten. Die Disziplin und Aufmerksamkeit des französischen Publikums beeindruckten die Musikerinnen und Musiker aus Lichtenau tief. Viele von ihnen erinnern sich noch heute an die Wärme, mit der sie empfangen wurden, und an die Freude, mit der man in Mayet gemeinsam musizierte.
Unvergessen ist auch der Abschiedsabend in einem alten Weinkeller, an dem ausgelassen gefeiert wurde. So manche Lichtenauer Musikerin und mancher Musiker soll – nach einer legendären „Calvados-Suppe“ bei Bernard Eveilleau – direkt vom Keller in den Bus zur Heimfahrt gestiegen sein.
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Musik zu einem festen Bestandteil der Partnerschaft. Das Blasorchester Lichtenau und die Musique Municipale Mayet traten bei fast allen Jubiläen und offiziellen Begegnungen auf. Die gemeinsamen Konzerte, oft abwechselnd in Lichtenau und Mayet, entwickelten sich zu Höhepunkten des Austauschs.
Ein besonderes Kapitel waren die Jubiläen der 2010er Jahre. 2015 trat das Blasorchester Lichtenau in Mayet auf, 2016 fand das große Jubiläumskonzert in Lichtenau statt. Bei diesen Konzerten wurden nicht nur bekannte Stücke gespielt, sondern auch eigens arrangierte Titel, die beide Orchester gemeinsam einübten. Diese musikalische Zusammenarbeit wurde zu einem Symbol der Einheit und des Vertrauens.
Auch andere Musikgruppen und Chöre trugen entscheidend zum Erfolg der Partnerschaft bei. Der Kirchenchor Husen pflegte über viele Jahre eine enge Verbindung zum Chor Mayet, begleitet von gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Auftritten. Erstmals traf man sich 2012 in der Kirche in Mayet. Ein besonderer Höhepunkt war dann das gemeinsame Konzert 2014 im Innenhof des Klosters Dalheim, bei dem die Chöre aus Lichtenau und Mayet gemeinsam mit dem Blasorchester Lichtenau auftraten. Unter dem Motto „Verdimelodien“ erklangen Werke als Abschluss von Giuseppe Verdi, die zu einem musikalischen Ausdruck der Freundschaft wurden. Die Leitung teilten sich Bernhard Große-Coosmann, Monika Richters und Pascale Canouil, der Dirigentin des Chors aus Mayet – eine Zusammenarbeit, die bei den Zuhörern unvergesslichen Eindruck hinterließ. Der Nachmittag wurde zu einem musikalischen Symbol europäischer Verbundenheit – getragen von Leidenschaft, Präzision und Freundschaft.
Bei der feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde 1986 in Mayet begleiteten zwei Musikgruppen die Zeremonie: die Musique Municipale de Mayet und die Fanfare de Verneil-le-Chètif aus dem benachbarten Ort. Beide Orchester waren eng miteinander verbunden und trugen mit ihren Auftritten wesentlich zur festlichen Atmosphäre bei.
Noch im selben Jahr kam es zu einer heiteren Verwechslung: Nach einer mündlichen Einladung an die französischen Musiker fühlten sich beide Kapellen angesprochen – sowohl die Musique Municipale Mayet als auch die Fanfare de Verneil-le-Chètif. So meldeten sich für das 10-jährige Jubiläum des Blasorchesters Lichtenau Musikerinnen und Musiker aus beiden Gruppen an. Über Nacht wuchs die Teilnehmerliste auf rund 100 französische Gäste – eine organisatorische Herausforderung für das Lichtenauer Komitee. In dieser Situation sprang der Spielmannszug Kleinenberg als echter Nothelfer ein: Er übernahm Unterkünfte, half bei der Verpflegung und unterstützte das Programm der Jubiläumsfeier. Was als Missverständnis begann, führte zu einer neuen Freundschaft: Aus dem spontanen Einsatz entstand eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Spielmannszug Kleinenberg und der Fanfare de Verneil-le-Chètif.

In den folgenden Jahren kam es zu mehreren gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Auftritten, bei denen Musik, Geselligkeit und Freundschaft im Mittelpunkt standen. Diese Begegnungen wurden zu einem eigenen, lebendigen Kapitel innerhalb der Städtepartnerschaft.
„Musik verbindet Menschen über Sprachen, Grenzen und Generationen hinweg.“
Kapitel 5 – Fußball verbindet: Begegnungen auf und neben dem Spielfeld

Seit den ersten Jahren der Partnerschaft sind auch die Fußballer und Jugendlichen aus Lichtenau und Mayet verlässliche Brückenbauer zwischen beiden Städten. Schon 1984, also noch vor der offiziellen Unterzeichnung der Partnerschaft, fand in Mayet das erste gemeinsame Zeltlager statt – ein echtes Abenteuer für alle Beteiligten.
Die Reise begann mit dem Zug über Paris, wo der Umstieg vom Kopfbahnhof Gare Montparnasse zum Gare du Nord samt Metrofahrt für viele zur ersten echten Begegnung mit französischem Alltagschaos wurde. Doch genau diese kleinen Tücken machten die Fahrt unvergesslich.
Das Zeltlager wurde 1987 wiederholt – diesmal bereits als fester Bestandteil der Jumelage. Sport, Spiel und gemeinsame Unternehmungen stärkten den Teamgeist und legten den Grundstein für eine jahrzehntelange Freundschaft auf und neben dem Spielfeld.
In den folgenden Jahren entwickelte sich der Austausch der Fußballer zu einer festen Tradition:
- 1985 – Erstes Freundschaftsspiel in Lichtenau
- 1987 – Zeltlager und Begegnung in Mayet
- 1995 – Freundschaftsturnier in Mayet
- 1998 – Rückspiel und Festwochenende in Lichtenau
- 2005 – Treffen in Mayet zum 50-jährigen Vereinsjubiläum
- 2009 – Gegenbesuch und Turnier in Lichtenau
- 2013 – Gastspiel in Mayet
- 2018 – Freundschaftsspiel und Vereinsjubiläum in Lichtenau
- 2023 – Feier des 70-jährigen Vereinsbestehens in Mayet
Neben dem sportlichen Wettkampf standen immer Begegnungen, Ausflüge und gemeinsame Feste im Vordergrund. Besichtigungen der Umgebung, etwa in Le Mans, Tours oder im Kloster Dalheim, gaben den Treffen kulturellen Tiefgang – und abends wurde gefeiert, gelacht und gesungen. So wurden aus Spielen Begegnungen, aus Begegnungen Freundschaften – und aus diesen Freundschaften ein lebendiges Stück gelebtes Europa.
Zwei Persönlichkeiten prägten diese sportliche Verbindung entscheidend: Bernhard Fecke auf deutscher Seite und Jean-Paul Rouillon in Mayet. Beide waren leidenschaftliche Sportler und überzeugte Europäer – wortgewandt allerdings weniger. Sie verstanden sich auch ohne viele Worte, mit Gesten, Lachen und echtem Sportsgeist. Was ihnen an Sprachkenntnissen fehlte, machten sie durch Offenheit und Humor wett – und so gelang es ihnen, die Mannschaften und Familien zusammenzuführen. Mit Organisationstalent, Begeisterung und einem unerschütterlichen Sinn für Fairness schufen sie eine Atmosphäre, in der das Miteinander wichtiger war als jedes Spielergebnis.
Neuer Schwung nach der Pandemie – der Besuch 2023
Nach einer längeren Pause während der Pandemie kam es im Jahr 2023 anlässlich des 70.Jubiläums der Mayeter Fußballer endlich wieder zu einer Begegnung zwischen Lichtenau und Mayet. Für die neue Bürgermeisterin Ute Dülfer war es der erste Besuch in der französischen Partnerstadt – und zugleich ein herzliches Kennenlernen vieler langjähriger Freunde. Im Mittelpunkt stand der Gedanke, die Jumelage nach schwierigen Jahren neu zu beleben. Der Aufenthalt wurde nicht nur zu einem offiziellen Anlass, sondern auch zu einem Gespräch des Partnerschaftskomitees genutzt, bei dem die künftige Zusammenarbeit besprochen wurde. Inzwischen ist es eine gute Tradition geworden, Komiteegespräche mit anderen Besuchen zu verbinden – sei es bei Jubiläen, Konzerten oder sportlichen Begegnungen.
Ein besonderes Highlight dieses Wochenendes war das Freundschaftsspiel auf dem Sportplatz von Mayet, das in fröhlicher Atmosphäre stattfand – und bei dem es erstmals auch einen Sieg einer Lichtenauer Mannschaft zu feiern gab. Bis dahin waren die französischen Gastgeber immer erfolgreicher gewesen. Doch an diesem Tag stand der Spaß am Spiel ebenso im Vordergrund wie die Freude über das Wiedersehen.
„Auf dem Platz sind wir Gegner, danach Freunde – so haben wir Europa verstanden.“ (Jean-Paul Rouillon aus Mayet)
„Ihre Freundschaft wurde zu einem Sinnbild der Städtepartnerschaft: ehrlich, unkompliziert und voller Leben.” (Josef Hartmann)
Kapitel 6 – Schule verbindet: Begegnungen im Klassenzimmer

Nicht weniger bedeutsam als Musik und Sport war von Anfang an der Austausch zwischen den Schulen. Er brachte junge Menschen zusammen, öffnete Türen in fremde Kulturen und machte aus Neugier echte Freundschaft.
Die ersten Austausche (1984 – 2004)
Schon 1984, also noch vor der offiziellen Unterzeichnung der Städtepartnerschaft, reisten Schülerinnen und Schüler aus Lichtenau erstmals nach Mayet. Sie wohnten in Gastfamilien, erlebten französischen Alltag, probierten neue Gewohnheiten und legten damit den Grundstein für Freundschaften, die bis heute bestehen. Im Jahr 1985 kam die erste französische Schülergruppe nach Lichtenau. In beiden Städten waren die Austausche echte Ereignisse – ganze Familien öffneten ihre Türen. Die Begegnungen fanden meist im jährlichen Wechsel statt, begleitet von Lehrkräften, die mit großem Engagement organisierten, übersetzten und begleiteten.
Ursula Benteler in Lichtenau und Jean-Louis Bastide in Mayet waren über viele Jahre hinweg die tragenden Säulen dieses Austauschs. Mit Energie, Geduld und Begeisterung bauten sie ein lebendiges Netzwerk auf, das weit über die Klassenzimmer hinausreichte. Als Zeichen des Dankes wurde Jean-Louis Bastide später vom Komiteevorsitzenden Josef Hartmann mit einer Ehrenurkunde für sein Engagement ausgezeichnet.
Ursula Benteler wurde 2008 durch Bürgermeister Karl-Heinz Wange feierlich verabschiedet –ein Moment großer Dankbarkeit auf beiden Seiten. Nach der Pensionierung von Ursula Benteler und Jean-Louis Bastide kam der Austausch für einige Jahre zum Stillstand. Doch die Idee blieb lebendig – in Erinnerungen, Fotos und vielen Freundschaften. Auf Initiative der Komiteevorsitzenden Josef Hartmann und Bernard Eveilleau konnten 2022 endlich neue Kontakte zwischen der Realschule Lichtenau und dem Collège Suzanne-Bouteloup Mayet geknüpft werden. Dank des Engagements von Veronika Kappius und Karolin Bräcker (Realschule Lichtenau), Mme Fournier und Mme Mignot (Collège Mayet) gelang es, den Austausch mit neuem Leben zu füllen. Im September 2022 reiste eine erste Lichtenauer Schülergruppe nach Mayet, unterstützt vom Partnerschaftskomitee und der Bürgerenergie-Stiftung Lichtenau. Im Frühjahr 2023 folgte der Gegenbesuch französischer Schülerinnen und Schüler in Lichtenau.

Beim 40-jährigen Jubiläum 2025 waren auch vier ehemalige Austauschschülerinnen und -schüler der ersten Generation von 1984/85 wieder dabei. Sie blicken zurück auf eine Jugend, die von Begegnung, Gastfreundschaft und Vertrauen geprägt war und freuen sich, dass ihre Kinder und Enkel heute an genau denselben Orten neue Freundschaften schließen. Der Austausch soll künftig jährlich stattfinden.
Vier Jahrzehnte Schulaustausch stehen für das, was Europa im Kleinen ausmacht: Vertrauen, Begegnung und Neugier aufeinander. Der Austausch zwischen der Realschule Lichtenau und dem Collège Suzanne-Bouteloup Mayet ist heute wie damals ein Fundament der Städtepartnerschaft.
„Les jeunes ont construit les premiers ponts de notre amitié.” („Die Jugend hat die ersten Brücken unserer Freundschaft gebaut.“)
„Freundschaft überdauert Generationen – besonders, wenn sie auf Schulbänken beginnt.“
Kapitel 7 – Feste und Jubiläen: Meilensteine der Freundschaft

Feste sind die sichtbaren Höhepunkte einer Partnerschaft. Sie verbinden Begegnung, Erinnerung und Freude – und zeigen, wie tief die Freundschaft zwischen Lichtenau und Mayet gewachsen ist.
Das 10-jährige Jubiläum – sichtbares Zeichen der Freundschaft (1995/1996)
Das 10-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Lichtenau und Mayet war ein Meilenstein der Freundschaft – ein Fest des Wiedersehens, der Dankbarkeit und der Symbole. Erstmals standen bei den Feiern die beiden neuen Bürgermeister Manfred Müller (Lichtenau) und Pierre David (Mayet) gemeinsam an der Spitze der Delegationen. Beide hatten die Verantwortung für die Partnerschaft von ihren Vorgängern übernommen und zeigten schon in diesen ersten Begegnungen ein starkes persönliches Engagement.
In Lichtenau wurde das Jubiläum im September 1995 mit einem feierlichen Festakt am neuen Mayeter Platz begangen. Der Platz im Herzen der Stadt erhielt diesen Namen als Zeichen der Verbundenheit. Bei der Enthüllung der Gedenktafel erklärten beide Bürgermeister, dass diese Benennung nicht nur ein Symbol, sondern ein dauerhaftes Bekenntnis zur europäischen Freundschaft und Verständigung sei. Das Blasorchester Lichtenau umrahmte die Feier mit festlicher Musik und viele Bürgerinnen und Bürger begleiteten die Zeremonie mit sichtlicher Rührung.
Ein Jahr später, im Frühjahr 1996, fand in Mayet die feierliche Gegenveranstaltung statt: Hier wurde der zentrale Platz der Stadt in „Espace Lichtenau“ umbenannt. Damit schenkten sich beide Städte Orte, die ihre Freundschaft im Alltag sichtbar machen. Bis heute sind der Mayeter Platz und der Espace Lichtenau lebendige Symbole für das, was die Partnerschaft ausmacht – gegenseitigen Respekt, Vertrauen und Zusammenhalt.
Das 20-jährige Jubiläum – Freundschaft mit neuen Gesichtern (2005/2006)
Zwanzig Jahre nach der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde wurde 2005 und 2006 das 20-jährige Bestehen der Freundschaft zwischen Lichtenau und Mayet gefeiert –ein Jubiläum, das besonders von neuen Impulsen, künstlerischem Austausch und symbolischen Gesten geprägt war.
Den Auftakt bildete im Mai 2005 die Feier in Mayet, an der eine große Delegation aus Lichtenau teilnahm. Als Zeichen bleibender Verbundenheit überreichten die Gäste aus Deutschland ein lebendiges Geschenk: Am Ortseingang von Mayet wurde gemeinsam eine Eiche gepflanzt – als Symbol für Wachstum, Beständigkeit und die tiefe Verwurzelung der Freundschaft zwischen beiden Städten.
Das 30-jährige Jubiläum – Musik als Sprache der Freundschaft (2015/2016)
Das Jubiläum wurde 2015 in Mayet und 2016 in Lichtenau gefeiert. Die Stadt Mayet hatte 2015 nicht nur die Offiziellen der Stadt Lichtenau, sondern auch das Blasorchester eingeladen. Auf dem Besichtigungsprogramm stand in diesem Jahr auch die Rennstrecke des legendären 24-Stunden-Rennens von Le Mans. Dank guter Beziehungen eines Mayeter Bürgers war eine Woche vor dem Beginn des Rennens auch ein Blick ins Fahrerlager möglich.
40 Jahre Freundschaft: Mayet feiert im europäischen Geist
(nach einem Bericht in der „Antenne de Mayet“, April 2025)
Nach Jahren der Vorbereitung und gemeinsamer Organisation verwandelte sich Mayet an diesem Frühlingswochenende in ein lebendiges Symbol deutsch-französischer Freundschaft. Die Straßen waren geschmückt, Musik erfüllte die Stadt und überall klang das Lachen alter und neuer Freunde – ein Fest, das vier Jahrzehnte gelebte Partnerschaft würdigte.
Höhepunkt des Wochenendes war das große Jubiläumskonzert am Freitagabend, bei dem die Musique Municipale Mayet und das Blasorchester Lichtenau gemeinsam auftraten. Das Publikum erlebte einen Abend voller Emotionen, Musik und Erinnerung – ein Klangbild, das 40 Jahre Freundschaft widerspiegelte.
Am Samstag folgte ein festliches Abendessen mit über 300 Gästen, gefolgt von einem großen Jubiläumsball, bei dem Musik, Tanz und Begegnung im Mittelpunkt standen. Die Stadt Mayet würdigte die Vertreterinnen und Vertreter der Lichtenauer Delegation, die für Kontinuität und persönliche Freundschaft stehen.
Ein besonderes Highlight war die symbolische Ankunft zweier Lichtenauer Radfahrer, die die Strecke zwischen den beiden Partnerstädten in nur einer Woche zurückgelegt hatten. Diese außergewöhnliche Geste wurde zu einem Sinnbild für Energie, Ausdauer und Überzeugung, mit der die Partnerschaft seit vier Jahrzehnten getragen wird. Sie zeigte, dass Freundschaft – wie die Reise der beiden Radfahrer – auf Vertrauen, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit beruht.
Als Fazit lässt sich sagen: Was 1985 mit einer Unterschrift begann, wurde 2025 mit einem Fest gefeiert, das den Geist Europas spürbar machte. Mayet und Lichtenau blicken mit Stolz auf 40 Jahre Partnerschaft und voller Zuversicht auf die Zukunft.
Zwischen den Jubiläen – Begegnungen, die verbinden
Zwischen den großen Jubiläen liegt das Herz der Partnerschaft. In diesen Jahren zeigt sich, dass Freundschaft nicht nur in Festakten lebt, sondern in Begegnungen, Gesprächen, Reisen und Projekten, die Menschen aus beiden Städten immer wieder zusammenführen. Nach dem Jubiläum 2005/2006 begann eine Zeit regelmäßiger, vertrauter Begegnungen. Die Komitees beider Städte trafen sich jährlich, abwechselnd in Lichtenau und Mayet. 2008 fand in Dalheim die erste gemeinsame Sitzung dieser neuen Phase statt – sie markierte den Beginn einer modernen, organisierten Zusammenarbeit. Aus dem gelegentlichen Austausch war ein fester Rhythmus des Miteinanders geworden. Auf französischer Seite übernahm Bernard Eveilleau den Vorsitz des Komitees, in Lichtenau stand Josef Hartmann an der Spitze. Beide prägten den Austausch nachhaltig, pflegten den persönlichen Kontakt und sorgten dafür, dass aus Partnerschaft immer wieder Begegnung wurde.
Ein europäisches Netzwerk entsteht – die Europatage 2009–2012
In den Jahren ab 2009 entwickelte sich die Jumelage von Lichtenau und Mayet zu einem Teil eines größeren europäischen Netzwerks. Beteiligt waren neben den beiden Partnerstädten auch Rangsdorf (Brandenburg), Pieniężno (Polen) und Fardella (Italien). Die Treffen fanden im jährlichen Wechsel in den beteiligten Städten statt – jeweils unter einem europäischen Leitthema.
2009 fand der erste Europatag in Lichtenau statt. Das Thema lautete „Energie und Nachhaltigkeit“, passend zur Ausrichtung Lichtenaus als Energiestadt. Delegationen aus allen Partnerstädten nahmen teil, besichtigten Wind- und Solaranlagen, informierten sich über Umwelttechnik und tauschten sich über gemeinsame Zukunftsprojekte aus.
2010 übernahm Rangsdorf die Gastgeberrolle. Hier stand die Kultur im Mittelpunkt – Kunst, Musik und Begegnung als europäische Brücken. Ausstellungen, Konzerte und Gesprächsrunden zeigten, dass gemeinsame Kultur der Motor der Verständigung bleibt.
2011 war Pieniężno, die polnische Partnerstadt Lichtenaus im Ermland, Gastgeberin. Unter dem Motto „Erntedank und Nachhaltigkeit“ standen ländliche Traditionen, Regionalität und Ernährung im Mittelpunkt. Vertreterinnen und Vertreter aus allen beteiligten Städten erlebten, wie sehr Landwirtschaft und Gemeinschaft die Werte Europas widerspiegeln.
2012 fand das Treffen in Fardella (Italien), einer Partnerstadt Rangsdorfs, statt, einer Gemeinde im Nationalpark Pollino in Süditalien. Das Thema lautete „Zivilschutz und europäische Solidarität“. Freiwillige Feuerwehren, Hilfsdienste und Bürgerinitiativen zeigten dort, wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Krisen funktioniert.
„Les fêtes du jumelage sont les cœurs battants de l’amitié.” („Die Feste der Partnerschaft sind die Herzschläge der Freundschaft.“)
„L’amitié ne se dit pas, elle se construit.” („Freundschaft wird nicht erklärt – sie wird gebaut.“)
„Europa lebt von der Vielfalt seiner Regionen, doch es atmet durch ihre Begegnungen.“
Kapitel 8 – Europa im Kleinen: Zukunft der Freundschaft

Vier Jahrzehnte Freundschaft zwischen Lichtenau und Mayet sind mehr als eine Bilanz. Sie sind der Beweis, dass Verständigung, Vertrauen und Respekt die stärksten Brücken zwischen Menschen sind. Aus einer Unterschrift wurden Begegnungen, aus Begegnungen Geschichten und aus Geschichten eine lebendige Gegenwart, die weitergeführt wird. Was 1985 begann, war Teil eines großen europäischen Traums, doch das, was in Lichtenau und Mayet entstand, ist mehr als ein politisches Symbol. Es ist ein Europa der Menschen, gewachsen aus Freundschaft und gemeinsamer Erfahrung. Über Jahrzehnte hinweg haben Bürgerinnen und Bürger beider Städte gezeigt, dass das Verbindende stärker ist als das Trennende. Die Jumelage hat ein Netzwerk von Freundschaften geschaffen, das heute in Familien, Schulen, Vereinen und Chören weiterlebt.
Neue Generation, neue Ideen
Die Zukunft der Partnerschaft liegt in den Händen der jungen Generation. Sie begegnet sich in Klassenzimmern, Sporthallen und auf Konzertbühnen, spricht selbstverständlich zwei Sprachen und lebt europäische Offenheit im Alltag. Die Schüleraustausche, Musikprojekte und Sportbegegnungen sind heute mehr als Tradition. Sie sind Lernorte des Friedens und der Verständigung.
Neue Wege – Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Auch die Form der Begegnung wandelt sich. Videokonferenzen, gemeinsame Online-Projekte und digitale Austausche verbinden Schüler und Vereine über alle Entfernungen hinweg. Gleichzeitig entstehen neue Partnerschaften im Bereich Energie und Nachhaltigkeit – von der Bürgerenergie-Stiftung Lichtenau bis zu Umweltaktionen in Mayet. So zeigt sich, dass europäische Freundschaft auch Verantwortung bedeutet: für den Planeten, für kommende Generationen, für ein friedliches Zusammenleben.
Kontinuität und Vertrauen
Die Komitees in beiden Städten bleiben das Rückgrat der Partnerschaft – offen, ehrenamtlich und menschlich. Sie koordinieren, vernetzen, begleiten – und sorgen dafür, dass aus Begegnungen Beziehungen entstehen. Unter der Leitung von Josef von Rüden und Piere Polliset/Jean Noel Deldicque – später Josef Hartmann und Bernard Eveilleau – haben sich die Komitees zu echten europäischen Familien entwickelt.
Ausblick: 50 Jahre Partnerschaft (Jumelage)
Wenn im Jahr 2035 das 50-jährige Jubiläum gefeiert wird, wird eine neue Generation die Geschichte weiterschreiben. Doch das Fundament bleibt dasselbe: Vertrauen, Offenheit und Menschlichkeit. Die Freundschaft zwischen Mayet und Lichtenau ist zu einem festen Bestandteil beider Städte geworden – ein Beispiel dafür, wie Europa im Kleinen gelingt. Vierzig Jahre Städtepartnerschaft – das ist kein Kapitel, das endet, sondern eine Geschichte, die weitergeschrieben wird.
„Europa beginnt nicht in Brüssel, sondern in Mayet und Lichtenau.“
„Freundschaft entsteht Tag für Tag – und jede Begegnung fügt einen Stein zum gemeinsamen Haus Europa hinzu.“
